Biker´s Paradise!

Kurven, Landschaft, Leute. Was will man mehr .......


14. Tag:

Wieder rauf auf das Moped. Es geht raus aus Helsinki und ab nach Hanko. Natürlich wieder weites gehend über Nebenstraßen. Und die sind einfach fantastisch. Im Zusammenspiel mit der Landschaft und dem Umstand, dass ich scheinbar über weiter Strecken alleine auf  der Straße bin, überwältigt es mich gerade wieder ziemlich. Hanko ist die südlichste Stadt Finnlands, mit einem ziemlich umstrittenen Denkmal an der Küste. 


Von Hanko aus fahre ich weiter nach Turku. Übernachtet wird im Hafen auf einem Hostelschiff: Laivahostel Borea. Dumm nur, dass der Hafen davor ziemlich weitläufig abgesperrt und der Parkplatz damit weit entfernt ist. Gepäck schleppen, Klasse.
Nach dem Eincheken fahre ich durch den Hafen und suche schon mal den Abfahrtsort der Fähre für morgen. Dann einen kleinen Spaziergang zur Burg Turku. Für eine ausführliche Besichtigung ist es schon zu spät. Daher entscheide ich mich für den Bus in die Innenstadt. Ein bisschen über den Marktplatz bummeln und die erste Pizza der Tour genießen. 
Frisch gestärkt wieder mit dem Bus zurück zum Hostel. Interessantes Bad: man kann quasi gleichzeitig auf der Toilette sitzen und sich duschen. Aber die Kabine selber ist noch ziemlich geräumig. Gefahren: 288 km.


15. Tag:

Früh aus den Federn: einchecken für die Fähre ab 7.15 Uhr. Frühstück im Hostel fällt aus, wird auf der Fähre nachgeholt. 
Wer von euch kennt den alten Film: "Ferien auf Saltkrokan"? Bei der Fährfahrt durch die Schären werde ich stark daran erinnert. Wirklich toll.
Die Fährfahrt dauert 5 Stunden, also wieder genug Zeit, um sich ein bisschen zu erholen.

Immer wenn ich denke, ich hab´ auf der Tour schon alles gesehen, besser kann es nicht werden, kommt wieder eine Landschaft, die mich komplett aus den Socken haut. Jetzt ist es Aland.
Liebe Leute, diese Insel ist wirklich schwer zu beschreiben, so schön ist sie. Schließt die Augen und stellt euch eine Postkartenidylle von Finnland oder Schweden vor. So ist Aland.
Die Fähre ist schon um 14.00 Uhr in Aland (hier gibt es keine Sommerzeit). Mein Hotel liegt in der Hauptstadt Marienhamn nah am Hafen. Einfach, aber es reicht. 
Somit habe ich noch genug Zeit, um ein bisschen die Insel zu erkundigen. Ich fahre zum Schloss Kastelholm. (Keine Ahnung, warum die Leute die Motorradfahrer in einem Zimmer des Schlosses mit aufgenommen haben. Mein Finnisch ist noch ausbaufähig)


Am Abend schlendere ich noch ein bisschen durch Marienhamn und such mir ein nettes Restaurant für das Abendessen. Bin ja auch viel gefahren heute: entspannte 78 km.


16. Tag:

Noch früher aufstehen: um 4.15 Uhr (in Worten vieruhrfünfzehn)! Dafür bin ich auch der erste am checkinn. Frühstück wieder auf der Fähre, mit einem wirklich guten Frühstücksbuffet. Die Überfahrt nach Schweden ist kürzer und dauert nur 2 1/2 Stunden. 
Der erste Teil der Anfahrt auf Stockholm ist noch klasse kurvig und mit tollen Aussichten versehen. Doch je näher ich an Stockholm ran komme, um so größer die Straßen und je intensiver der Verkehr.

Dafür komme ich aber schön früh in Stockholm an und kann mir noch viel von der Stadt ansehen.

Was macht man zuerst, wenn man nach Stockholm kommt? Richtig, man geht ins ABBA-Museum. Und heute ist auch noch ein besonderer Tag: vor genau 50 Jahren haben sich Björn und Benny zum ersten mal getroffen. Da geht doch jedem ABBA-Fan das Herz auf. 
Insgesamt ist in der Stadt der Bär los. Es ist verkaufsoffener Sonntag, d.h. nicht nur die Touristen bevölkern die Stadt, sondern auch noch eine Menge Einheimische. Auf der Insel mit dem ABBA-Museum und dem Freizeitpark sind das mehr die Familien, auf der Insel mit dem Schloss und der Altstadt sind es die Touristen; massig aus Fernost aber auch viele aus Deutschland (im Hafen liegt "mein Schiff" oder so was). Ich natürlich mitten drin.

Meine Unterkunft für diese Nacht ist wieder ein Hostelschiff: das Anedin Hostel. Und es gewinnt problemlos den Titel "schlechteste Unterkunft der Tour"! Die Kabine ist winzig klein, das Bad ziemlich abgerockt und das Bett besteht aus einer Sperrholzplatte, auf der eine dünne Matratze liegt. Einziger Lichtblick: direkt nebenan ist die Fotografika, ein Fotomuseum, dass in einem ehemaligen Zollhaus untergebracht ist. Das darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Den Abend lasse ich in der schiffseigenen Bar ausklingen. Bei den Bierpreisen könnte man glatt Antialkoholiker werden, aber ich brauche das heute Abend. Gefahren: 120 km.



17. Tag: Die-vier-Schlösser-Tour

Das war so nicht geplant. Aber das ist halt der Vorteil, wenn man allein unterwegs ist und mal spontan entscheiden kann, wohin man fährt. 

Geplant war Schloss Tullgarn, das Sommerschloss der königlichen Familie und die mittelalterliche Burgruine Nyköpinghus. Die beiden anderen haben sich einfach so ergeben: auf einem Schild gesehen und einfach mal hin gefahren.

Mein erster Halt ist Schloss Tullgarn. Heute ist Nationalfeiertag in Schweden. Da ich früh auf dem Schloss bin, erwische ich noch die Vorbereitungen zur großen Feier. Wenn ich dort geblieben wäre, hätte ich die königliche Familie kennen lernen können. Die waren bei der Feier dabei. So habe ich auf dem Parkplatz, als ich gerade wieder los wollte, eine deutsch-schwedische Familie kennen gelernt. Der Ehemann stammt vom Bodensee und ist wegen der Liebe in Schweden hängen geblieben. Mit Ehefrau und 2 Kindern wollen sie an der Feier teilnehmen. Und in den Sommerferien dann mal "kurz" zu den Eltern an den Bodensee; sind ja nur knapp 1.700 km pro Tour. 


Das war nicht geplant: Schloss Nynäs. Aber einfach mal den Schildern gefolgt und nicht enttäuscht worden. 
Das Schloss hat einen ganz anderen Charakter. Schloss Tullgarn war hoch herrschaftlich; Schloss Nynäs ist ländlich. Es hat eine tolle Gärtnerei und auch einen wundervollen Garten. 


Ich bin wieder auf Kurs. Nächster geplanter Stopp: Nyköpingshus. Auch hier ist wegen des Nationalfeiertags (und des schönen Wetters) viel los. Ein Spaziergang durch die Anlage ist natürlich Pflicht.

Und zu guter Letzt nochmal ein nicht eingeplantes Schloss: Löstad Slott. Interessant hier: die Ausstellungsräume sind geöffnet, man kann, ohne Eintritt zu bezahlen, rein und sich in Ruhe umsehen. Was ich wieder aufgrund der Sprachbarriere nicht verstanden haben: was sollte die Abteilung mit den Computernachbildungen etc. Den Bezug zum Schloss habe ich nicht verstanden. Aber vielleicht sollten ja nur jüngere Besucher angelockt werden.

Wo lernt man nette Leute kennen: in der Warteschlange vor dem Örtchen. Weil das auch bei den Herren beschränkt ist, bildet sich auch hier eine Warteschlange, da eine Reisegruppe mit Bus angekommen ist. Es ist eine Reisegruppe aus Amerika, die hier auf einer Rundreise ist. Hauptsächlich mit dem Schiff (na klar), aber immer wieder auch mit Tagesausflügen ins Hinterland. So erzählt mir jedenfalls der nette ältere Herr, mit dem ich ins Gespräch komme. Natürlich hatte er in seiner Jugend auch ein Motorrad (Harley, was sonst). 


Zwischen durch ist mir das wieder zu viel "Hauptstraße". Also mal schnell links ab, Nebenstraßen nutzen. Ich werde bestraft mit Schotterstraßen und belohnt mit schönen Ecken und prima Ausblicken.

Gefühlt war das heute der bisher anstrengendste Tag der Tour. Richtig Kilometer abgerissen (gefahren 458 km) und dabei auch noch viel gewandert. Dummerweise sind die Parkplätze selten direkt neben dem Schloss. Also, 10 Kilometer Wanderung waren das bestimmt. Dem entsprechend geschafft bin ich, als ich bei meinen Hotel für heute Nacht ankomme. Es liegt am Rande von Kalmar an einem riesigen Parkplatz. Es ist ein Truckerhotel, in dem ein McDonalds und ein hoteleigenes Restaurant um Gäste kämpfen. Aber das Zimmer, das Bett und die Dusche sind prima. Was will man mehr. Eine Nacht ohne Krämpfe in den Beinen vielleicht, aber die gibt es heute Nacht nicht. Mitten in der Nacht heißt es raus aus der Kiste, um die Krämpfe zur Ruhe zu bringen.
Aber sonst läuft´s!