Große Augen, viel zu sehen!

Oldtimer, Viecher, Kirchen .......


18. Tag:

Heute geht es schön in Ruhe in Schweden immer schön die Küste entlang: von Kalmar nach Vellinge, kurz vor Malmö.

Den ersten Zwischenstopp in Karlskrona habe ich eigentlich nur ins Programm genommen, um Arne richtig zu ärgern. Dort gibt es nämlich das Förlags AB Albinsson & Sjöberg Automuseum. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Porzellanfabrik. Die Autos, und noch Vieles mehr, haben die Inhaber gesammelt. Prädikat: absolut sehenswert. 

Die Autosammlung liegt in der ersten Etage. Im Erdgeschoss ist eine Ausstellung mit dem Porzellan der Firma. Trotz freundlicher Einladung durch den anwesenden "Museumswärter", hebe ich mir das für meinen nächsten Besuch auf. 

Die Zeit der ganz kleinen Straßen ist vorbei. Und auch die Zeit der Einsamkeit auf der Straße: was ist das hier für ein Verkehr? Und tatsächlich gibt es auch wieder eine Gruppe Harley-Fahrer aus Norddeutschland. Ich treffe sie an eine Tanke; allerdings sind sie wenig kommunikativ (ich hab´ ja auch nur ´ne kleine Kawa). Unsere Wege kreuzen sich eine Zeit lang öfter; sie überholen mich, als ich gerade Pause mache und umgekehrt. Aber irgendwo trennen sich unsere Wege. Für mich geht es nach Ystad, der Heimat von Kurt Wallander. Ich habe ihn überall gesucht, aber leider nicht gefunden. Aber ein schönes Cafe. Und einen netten Plausch mit einem Einheimischen, der mein Motorrad begutachtet; auch wenn es keine Harley ist. Dafür habe ich jetzt eine Menge interessanter Aufkleber.


Mein heutiges Tagesziel ist das Bruksparkens Vandrarhem in Vellinge. Als ich ankomme, ist mein Zimmer noch nicht fertig. Aber die freundliche Herbergsmutter ist schon dabei. Zimmer mit Waschbecken und WC, Dusche auf dem Flur. Das Wandererheim wird hauptsächlich von Handwerkern genutzt, die in Malmö tätig werden. Deswegen gibt es morgen auch kein Frühstück; die Jungs sind schon alle früh unterwegs. Und für mich alleine lohnt sich der Aufwand scheinbar nicht. Abendessen gibt es hier in der Prärie auch nicht. Aber zum Glück habe ich beim letzten Halt an einem Supermarkt vorgesorgt: das nötigste an Verpflegung ist dabei (inklusive Sixpack). Ich lasse den Tag daher schön ruhig im Garten des Wandererheims in der Abendsonne ausklingen. Auf einen schönen Sonnenuntergang muss ich aber verzichten. Wird ja nicht dunkel hier. Gefahren: 384 km.


19. Tag:
Manchmal ist das Leben schon ganz schön hart: ich sitze hier kurz vor Malmö bei McDonalds beim Frühstück und muss eine harte Entscheidung fällen. Eigentlich war für heute geplant, dass ich mir Malmö, Kopenhagen und Roskilde anschaue. Also wenig fahren und viel schauen. Aber ich bin schon ziemlich lange hier oben unterwegs und habe immer noch keinen Elch gesehen! Nur immer die Warnschilder. Das darf doch nicht sein! Daher, Internet an (McDonalds hat WLAN) und mal nachschauen, wo der nächste Tierpark ist. Und da ist doch schon einer: der Safaripark in Smalandet. Der ist gar nicht so weit weg, nur 120 km. Also ein "Umweg" von 240 km. Aber was soll es! Ich bin jetzt schon so viel Kilometer gefahren, dann kommt es auf die paar Kilometer mehr auch nicht mehr an. Also flott das Navi umprogrammiert und los geht es. Den schnellsten Weg gewählt, leider komplett über die Autobahn. 

Beim Safariepark selber erfahre ich, dass man die Touren eigentlich im Vorfeld über das Internet buchen muss. Mann, nicht schon wieder! Aber ich lasse meinen "Charm" spielen und werde einer Schulgruppe zugebucht. Also rein in den kleinen Zug und los geht es!!

Wir bekommen frische Zweige mit, um die Elche anzulocken. Und das klappt auch. Ganz schön groß die Viecher. Jetzt bin ich froh, dass ich keinem Elch in der freien Wildbahn begegnet bin. Das Duell Moped gegen Elch hätte ich verloren. Und als Zugabe gibt es noch das Bisongehege. Ebenfalls riesige Tiere. Hier hoch zu fahren war die richtige Entscheidung. Aber jetzt geht es leider wieder 120 Kilometer über die Autobahn zurück; zur Öresundbrücke.

Also, den Hype um die Öresundbrücke kann ich nicht verstehen. Okay, die Brücke ist schon ziemlich groß. Aber der Ausblick auf´s Meer jetzt nicht so überragend. Und als ich drüber fahre, ist der Wind still; also keine Gefahr, weg geweht zu werden. Und außerdem ist die Hälfte der Überfahrt ein Tunnel. Und außerdem ist die Überfahrt auch noch schweineteuer. Ich hätte ´ne Fähre nehmen sollen!


An Kopenhagen vorbei nach Roskilde. Parken direkt am Marktplatz. Ich schlendere etwas über den Marktplatz und schaue mir dann den Dom von Roskilde genauer an. Der Dom kommt mir vor wie ein überdachter Friedhof: es gibt hier 63 (in Worten: Dreiundsechzig) Königsgräber. Wahnsinn. 

Von Roskilde geht es weiter auf die Insel Mön. Mein Übernachtung heute ist das Nygammelsö Bed & Breakfast in Stege. Ist ungefähr so wie eine Jugendherberge in Deutschland. Heißt: Waschbecken auf dem Zimmer, Toilette und Dusche auf dem Flur. Aber Tiptop sauber und die "Herbergsmutter" ist unheimlich nett. Und spricht deutsch, was mir sehr entgegen kommt (auch an meinem Dänisch muss ich noch arbeiten). 

Die Herberge liegt natürlich irgendwo im Niemansland. Daher fahre ich zum Abendessen nach Stege. Chinamann hatte ich noch nicht auf der Tour. Also nichts wie rein. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Gefahren: 484 km.



20. Tag:

Meine Jugendträume werden wahr: es geht in Richtung Kalifornien. Aber erstmal habe ich die Kreidefelsen in Mön auf der Agenda. Schnell noch ein Foto von der Herberge und dann los. Beim nächsten Stopp (ich will eine Kirche am Wegesrand fotografieren) dann die böse Überraschung: die Kamera ist weg! Scheinbar habe ich sie nicht richtig verpackt, die Packtasche ist noch offen. Und so oft ich auch hin und her fahre, die Kamera bleibt weg! Gut, dass ich die Fotos immer fleißig in der Cloud gespeichert habe. Sonst würde ich mir jetzt ziemlich im Hals stehen. So sind nur zwei Fotos weg. Und natürlich die Kamera. Ab jetzt wird eben mit dem Handy fotografiert. Also, wieder zur Kirche, Foto machen, und dann zu den Kreidefelsen. Mit kleiner Wanderung. Aber ich bin ja Kummer gewohnt.

Nachdem ich die Kreidefelsen besichtigt habe, geht es ab zur Fähre nach Puttgarden. Als ich auf die Fähre warte, gibt es eine schöne Überraschung: hinter mir hält ein älterer Herr mit seiner Honda Paneuropean; schön mit Beiwagen. Er ist auf dem Weg zu einem Gespanntrefffen in Norddeutschland. Er hat Schwierigkeiten mit dem Gewicht der Honda, darum hat er sich einen Beiwagen angeschraubt. Ich kenne Leute, für die wäre das auch eine gute Lösung.

Auf der Fähre gibt es ein lecker Mittagessen mit Aussicht. Dann bin ich auch schon wieder in Deutschland. Es geht nach Laboe. Das Denkmal und das U-Boot werden nur von außen bestaunt, den es brauen sich dunkle Wolken zusammen. Und tatsächlich: auf der Fahrt zu meinem Hotel bekomme ich die ersten Regentropfen der Tour ab. Unglaublich. Aber es sind nur ein paar Tropfen. In Kalifornien scheint die Sonne (natürlich!). Ich checke im Hotel ein und begebe mich dann zur Strandpromenade; die liegt direkt vor der Tür. Abendessen im Imbissstand meines Vertrauens. Mit lecker Gerstensaft (Originalton Imbissbesitzer: Frisch vom Fass, was anderes sollte man nicht trinken!). Dann noch einen kleinen Sparziergang über den Deich und ab ins Bett. Gefahren: 235 km.




21. Tag: Finale

Rückfahrt. Kaum zu glauben, dass es jetzt tatsächlich nach Hause geht. Für die Rückfahrt habe ich mir noch etwas Besonderes vorgenommen: den PS-Speicher in Einbeck. Dumm nur, dass ich die Entfernung da etwas falsch eingeschätzt habe. Aber egal. Wieder bestes Wetter und rauf auf die Bahn Richtung Hamburg. In Hamburg gilt es, die Baustelle und damit die Umfahrung der eigentlichen Abfahrt zu meistern. Etwas stressig, weil es durch Hamburg durch geht; schön Stopp-and-go. 
Es geht durch den Elbtunnel. Schön laut mit Jethelm. Durch Zufall lande ich auf dem Autohof in Bispingen; schön mit Auf-dem-Kopf-Kaffee. Habe ich mir aber nur von außen angesehen, bevor mir noch schlecht wird.

Schön weiter über die Autobahn bis Einbeck. Ist zwar ein ziemlicher Umweg, hat sich aber absolut gelohnt. Wirklich ein muss für alle Motorradinteressierten: der PS-Speicher in Einbeck. Technisch super gemacht. Absolut sehenswert. Und als ich aus Versehen zu nahe an ein Exponat trete, habe ich direkt einen Wachmann an der Backe. Aber wir trennen uns freundschaftlich. Was wirklich gut gelungen ist: die Vidoeinstallation im Fahrstuhl und die Präsentation von Ilja Richter. Ein echter Knaller. Wenn ihr noch nicht da gewesen seit, ein absolutes Muss.


Dann geht es los auf die letzte Etappe: ab nach Hause. Autobahn, aber immerhin ohne Stau.

Die ganze Tour habe ich überstanden, ohne eine kritische Situation zu haben (außer in Russland). Aber kurz vor der Heimat erwischt es mich doch noch. Ich muss in Hagen nochmal ab zum Tanken. An der vierspurigen Hauptstraße muss ich links ab. Als die Ampel auf Grün schaltet, starte ich einfach. Ohne auf den Gegenverkehr zu achten, der eigentlich Vorfahrt hat. Aber die Autofahrer achten auf mich und lassen mich passieren. War halt ein anstrengender Tag heute. Wenig später habe ich es geschafft: ich bin wieder Zuhaus. Es ist bereits halb Neun (in Worten: Zwanziguhrdreißig). Schnell noch die Koffer vom Moped und dann ab auf´s Sofa. Geschafft!!

Gefahren: 634 km. REKORD