Hier wird jeder gehört!

Was er immer schon mal erzählen wollte ......


1.Tag - 493 km

Samstagmorgen 10.00 Uhr. Bestes Wetter, kein Roland in Sicht. Ein Motorroller, der vorbeibrüllt entpuppt sich nicht als sein Ersatzfahrzeug, weil der Bock beim Händler nicht fertig geworden ist. Dann kommt der silberne Tourneo. Aber auch das ist nicht sein Ersatz, sondern nur die Vorhut, weil er noch tanken muss. Endlich kommt er voll aufgerödelt, mit geschätzten 427 Kg Gepäck angerollt.

Nach ausgiebigem Abschied von unseren Lieben starten wir durch und nehmen die A1 Richtung Norden unter die Räder. Was soll man da groß erzählen, erster Halt ist die Raststätte in Brückenform, Dammer Berge. Die fand ich als Kind schon immer faszinierend und glaubt damals immer, dass wir fast in Cuxhaven angekommen wären….. Heutzutage schätze ich Entfernungen anders ein, wenn es weh tut, waren es ca. 200 km.

Mit einer extra Runde über den Parkplatz, Vorsicht, ausparkende Rentner, springt der Tacho meiner treuen Africa Twin auf 39000 km. Einfahrphase überstanden, fast neu, ist sie doch gerade erst 16 geworden.

Nach einer guten Tasse Kaffee und Einlösen der obligatorischen Sanifair-Gutscheine fahren wir weiter und durchqueren den Elbtunnel bei Hamburg ohne besondere Vorkommnisse. 

Auf einem Rastplatz treffen wir ein paar nette Ur-Harleyfahrer und bewundern, wie man auf dem Kleinkinder-Sitzbänkchen von so einem Rappelsbock mehr als 100 km am Tag fahren kann. Spätestens dann würden mir durch die Blaufingerkrankheit* die Hände vom Lenker fallen….

(*Eigentlich eher bekannt von Forstarbeitern, deren damals ungedämpft vibrierende Kettensägen die Durchblutung der Fingergefäße stark beeinträchtigten)

 Wir landen irgendwann doch, leicht gerädert, an unserem Tagesziel, der Jugendherberge Schönberg nahe Kiel. Mittlerweile kann man sogar beim Herbergsvater Alkohol kaufen und ich bin sehr beeindruckt. Bei meinem letzten Herbergsaufenthalt hätte man mich umgehend nach Hause geschickt, wäre ich mit einer Flasche Bier aufgekreuzt. Gut, es war kurz nach dem Krieg und ich 15 Jahre alt  ;-)

2 Flens runden die fast 500 km der Fahrt ab und schmecken hervorragend.

Kurz drauf ist der Bierverkauf schon wieder geschlossen und nach einer satten Portion Spaghetti Bolognese aus der Herbergsküche müssen wir zum Pokalendspiel Dortmund : Bayern schnödes Wasser trinken.

Das Spiel wurde leider nicht zugunsten des Ruhrgebietes entschieden und wir schlafen erschöpft ein. Träume von einer endlosen Autobahnfahrt schleichen sich in die ruhige Nacht…..


2.Tag - 322 km

Nach einem sehr guten Frühstück, auch das war früher ganz anders, geht es wieder los.

Dank der Investition in ein Dekubitus-Luftkissen zum Aufschnallen auf die Sitzbank, wehrt sich mein Hinterteil auch nicht, wieder auf der Twin Platz zu nehmen. Den Luftdruck nun zum 4. Mal angepasst ist es nun optimal und ich schwimme nicht mehr auf dem Moped hin und her, wie ein Wackelpudding in der Vanillesoße.

Beim ersten Tankstopp schauen wir uns aus sicherer Entfernung eine Gruppe Hells Angels an und  fragen wir uns gerade noch, ob die Jungs ihre Kutten noch tragen dürfen, als ein besonders beeindruckendes Exemplar voller Elan versucht, seinen Tank mit wesentlich mehr Sprit zu füllen, als dieser zu fasen vermag. Ein wenig hektisch versucht der Riese mittels Papiertüchern seinen Bock etwas abzutupfen, was uns enorm amüsiert. Es zischt und dampft, brennt aber nicht.

Mit einem breiten Grinsen, gut, dass der Helm das kaschiert, geht es Richtung Timmendorfer Strand und immer an der Ostsee lang bis nach Travemünde. Dort setzen wir mit der Fähre bei quer durch den Hafen über und fahren weiter nach Wismar.

Bei wunderbarem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen rollen wir auf den Marktplatz von Wismar und parken schön zentral in guter Gesellschaft eines lecker zurechtgemachten Choppers. Eines der Eiscafés verpflegt uns gut und wir schauen uns das Treiben auf historischem Boden an. Zwei Hells Angels (schon wieder…) ein paar Tische weiter, werden ganz unruhig, als ein Chopper vorbeifährt.  Scheinbar kein Bandido, bleibt der Kugelhagel bei Eiskugeln im Becher und wir machen uns wieder startklar. Der schöne Parkplatz bringt uns die Ehre ein, den städtischen Haushalt mit jeweils 10€ unterstützen zu dürfen. Zahlbar innerhalb einer Woche….

Das geben wir daheim in Auftrag, bevor uns der Kuckuck noch vor Ende der Tour die Mopeds abnimmt.

Nach kurzem Ärgern satteln wir und fahren auf Anraten meiner Schwester nach Kühlungsborn, ihrem Zweitwohnsitz an der See. Muss man gesehen haben  ;-) Nettes Ostseebad mit ganz vielen Rentnern und nackten Sonnenanbetern nahe der Kirche. Das morbide Hotel im Ortsmittelpunkt gefällt mir am besten in der sonst doch etwas zu aufgeräumten Atmosphäre….

Ab nach Rostock! Wir durchqueren die Stadt nur und erwischen Straßen, die nicht unbedingt einen einladenden Eindruck machen. Über Ribnitz-Damgarten, das ich zuletzt 2000 gesehen habe, fahren wir nach Stralsund. Hier parken wir für ein schönes Foto mit Rädchen extra nochmal die Mopeds um. Wo kann man schon mal mit der Gorch Fock einen Größenvergleich machen? Der Hafenbereich ist ganz nett gemacht, das neue Ozeaneum allerdings etwas deplatziert neben den wunderbaren alten Speichern. Eine Meerjungfrau, dort an die Wand genagelt, erregt bei allen, die vorbei laufen, großes Aufsehen.

Die letzten 46 km über die Insel Rügen meistern wir locker auf der linken Backe und begießen unser Tagesziel mit zwei Lübzer Pilschen vor der Tür der Jugendherberge Sellin.

Google Maps, das wir zur Abendessenroute bemühen, erweist sich diesmal als Killer. Die angeblich 2 Minuten schnellere Strecke zur Seebrücke, lässt uns bei ungefähr 45 % Steigung durch den Wald fast das Zeitliche segnen. Wir sind zu Fuß unterwegs! Immerhin erreichen wir doch noch die Küste und die berühmte Seebrücke liegt in der Abendsonne leuchtend vor uns. 

Rundherum beherrschen leicht dekadente Hotels und Restaurants das Bild. Das einzige scheinbar günstigere SB-Restaurant ist schon ausgebombt und wir entscheiden uns für ein böhmisches Spezialitäten Restaurant, das scheinbar das einzige ist, das um 19.00 Uhr überhaupt noch etwas zu Essen anbietet. Rentner gehen halt früh ins Bett  ;-)

Das Böhmische Bier und irgendein Schnäpschen gibt uns den Rest und wir finden einen Weg ohne Höhenmeter zurück in die Jugendherberge. Den Lübzer Schlaftrunk genießend, hören wir in der Ferne den anderen rasenden Roland schnaufen und pfeifen, aber sehen können wir in nicht.

 

Süße Träume von kommenden Abenteuern bringen uns durch die Nacht …….


3. Tag - 410 km

Von Sellin aus müssen wir wieder an das andere Ende von Rügen, um von der Insel runter zu können. Die 46 km enden in einem dicken Stau, verursacht durch den Ausbau der Straße, der eigentlich den Ferienverkehr entzerren soll. Mit lahmer Kupplungshand, werden wir von einem Yamaha Eierkocherfahrer zum Kaffee eingeladen, was wir aber leider aufgrund der noch ziemlich langen Tour nicht wahrnehmen können. Schon wieder ganz schön spät dran, fahren wir nach Swinemünde, wo man mit einer kostenlosen Fähre übersetzen kann. Die Ladeklappe ist schon oben, aber ein eifriger Mitarbeiter winkt uns zur Fußgängerspur rüber. Sieht ganz schön eng aus, für so fahrbare Aluköfferchen, aber der Kollege hat Augenmaß und ich schaffe es tatsächlich ohne das Schiff zum Sinken zu bringen durch die engen Geländer zu manövrieren. Bei der Ausfahrt wird es noch enger, aber ohne Kampfspuren sind wir nun in Polen.

Das Navi funktioniert nicht und ich muss vorfahren. Ob das gut geht? Immer schön über die Landstraßen, manifestiert sich der Eindruck, dass die Polen beim links abbiegen immer so lange warten, bis Gegenverkehr kommt. Dann müssen sie noch länger warten und wir auch. Ich komme mit der fahrenden Schrankwand auch nicht dran vorbei. Komische Gewohnheiten, beim Überholen sind sie doch sonst so skrupellos.

Wir kommen ohne Verfahrer nach Niehorze, einem wunderschönen Leuchtturm. Bei 29° C und praller Sonne wundern wir uns über einen Berliner in kurzen Hosen und T-Shirt, der seine Triumph Triple über das Kopfsteinpflaster jagt, als  gäbe es kein Morgen. Den Aufstieg sparen wir uns und schmoren im eigenen Saft vor uns hin, als wir scheinbar endlos durch wunderschöne Landschaften und alte Dörfchen fahren.

Wir lernen polnische Straßen-Baustellen fürchten: Die halbe Strasse ist weg, sowohl dort wo die Arbeite stattfinden, als auch auf der verbliebenen Seite. Also mit viel Gleichgewichtssinn auf dem schmalen Grat Asphalt fahren. Das geht so lange gut, bis die ersten Sandberge kommen. Schön, wenn die Jungs Sand verarbeiten, aber warum die Hälfte daneben kippen und auf der Strecke liegen lassen…. Mit ganz viel Gefühl und ohne jegliche Regung durch diesen Treibsand zu kommen, ohne auf die Schn….. zu fallen, fordert uns alles ab.

Ich huldige zwischendurch meine Twin, dass sie mir trotz der teilweise echt miesen Straßen so stoisch die Treue hält, als der Zähler auf die 40000 km springt.

Das Tagesziel ist ein recht edles Hotel in Ustka, einem beliebten Badeort der polnischen Ostküste. Auch hier gibt es nach 18.00 Uhr scheinbar nur noch flüssige Nahrung und nochmal lassen wir ins nicht von Google an der Nase rumführen. Also im T-Shirt wieder auf die Böcke und fahren mehrere Gaststätten an, bevor wir uns endlich von einem Gyrosteller und leider nur einem Tyskie beglücken lassen. Ein kurzer Verdauungsspaziergang durch den Hafen, der wunderbar von der untergehenden Sonne in Szene gesetzt wird und ab ins Bettchen.



4. Tag – 477 km

Heute steht die Mörderetappe mit Russlandquerung auf dem Programm. Wir starten bester Laune und einer gewissen Skepsis, was uns an der Grenze erwarten wird. Die Vorbereitungen, um einmal über die kurische Nehrung zu fahren, waren schon nicht ohne. Transitvisum, internationaler Führerschein und noch ein D-Schild. Das ganze waren weit über 100€…..

Über Slupsk fahren wir Richtung Danzig, fast ohne Verfahrer. Bei Elblag entscheiden wir uns, dass die Zeit nicht für die berühmte Marienburg reicht, da wir nicht wissen, wie lange die russische Grenze uns beschäftigen wird. Eine ewig lange Straße mit spiegelglattem Asphalt bester Ausbaustufe führt uns Richtung Russland. Hunderte von Straßenwärtern mähen Rasen und nur wenige Autos sind unterwegs. Ein Traum für deutsche Verhältnisse.

Der  erste Grenzposten kommt in Sichtweite und nur 2 Autos sind vor uns. Wir sind bester Laune und geben unsere Papiere bei einer netten Dame ab, die uns nach 2 Minuten weiter fahren lässt. So einfach? Klasse!

Denkste Puppe! Es war nur der polnische Grenzposten….. Nach ein paar hundert Metern der Vorposten zur russischen Grenze. Mist, Papiere wieder im Kofferraum verstaut. Wieder runter vom Bock, dann können wir nach kurzer Zeit die mückengeplagte Frau an der Vorauswahl passieren und stehen am Ende einer langen Autoschlange in einer der 4 Spuren, die für nicht RU Bürger offen sind. Mindestens 5 Minuten braucht jedes Auto, bis es durch ist. Die bergige Strecke zur Grenze war mit 22°C ganz angenehm, das Thermometer der Grenzstation zeigt allerdings 29°C an. Wir stehen im prallen Sönnchen, bis sich eine Grenzerin erbarmt und uns zur freien Spur für russische Bürger winkt.

So weit, so gut, Schatten! Sie will in die Koffer schauen. Kein Problem, die Kalaschnikow hab ich vorsichtshalber zuhause gelassen. Wir werden an einen Schalter gebracht. Spiegelglas, keine Sprechanlage, nur eine Schublade. Ich kann nichts verstehen, sehe Niemanden. Pass und Visum werden gecheckt und ich bekomme die Papiere zurück. Dann reißt eine russische Mutti das Fenster neben der Schublade auf und versucht mir eindringlich zu erklären, dass ich noch am gleichen Tag wieder ausreisen muss. Ich weiß, es ist nur ein Transitvisum für einen Tag. Irgendwann habe ich verstanden, was sie mir vermitteln wollte. In Anbetracht dessen, das es schon irgendwas um 15.00 Uhr ist, verstehe ich, warum sie es noch deutlich erwähnt.

Wir satteln die Pferde, ziehen alle Klamotten wieder an und fahren bis vor die Schranke. Aber die bleibt zu. Irgendwann bequemt sich jemand dazu, uns wieder von den Mopeds zu holen. Koffer auf, reinschauen, mitkommen. Hätte man auch gleich sagen können. Wir bekommen jeder 2 Din A4 Blätter, die natürlich nicht auf das Schreibblech mit viel zu hoher Vorderkante passen, das an das Grenzerhäuschen geschraubt ist. Wer plant sowas?

Baustellenbelieferung in der Planwirtschaft: „Dieses Jahr gibt es nur querformatige Schreibablagen mit 10 cm Vorderkante, die anderen erst 2088 wieder“

Wenigstens hängt eine Mustervorlage in mehr oder weniger Deutsch an der Wand. Doppelte Ausführung ausfüllen. Als dies endlich erledigt ist, zum Fenster am Häuschen. Dort kann man diesmal reinsehen, Sprechanlage Fehlanzeige. Eine junge Frau in sozialistischer Uniform mit Goldschmuck und einer Frisur als wäre sie einem Bond Film, der frühen 80er Jahre entspringen, nimmt sichtlich genervt unsere Papiere entgegen. Verzieht gewaltig die Miene, als sie nach einigen Korrekturen auf den Papieren noch zu uns raus muss. Sie legt mir einen Zettel auf Russisch hin. Was soll ich damit? Auf Nachfrage meinerseits nun noch genervter, erklärt sie mir auf Deutsch, was in die Spalten soll. Den Vornamen trage ich in die falsche Spalte ein und sehe mich schon vor dem Kriegsgericht, als sie wieder in ihr Häuschen muss, um den Zettel nochmals auf ihrem 24-Nadel Drucker neu zu generieren.

Wer nicht gut erklärt, stets mehr Arbeit erfährt…..

Zwischendurch blockieren unsere Kräder einen russischen Vito und wir dürfen sie hinter die Schranke schieben. Die Mopeds sind schon mal drin, wir noch nicht. Nach ca. 80 Minuten haben auch wir es  geschafft. Nächste Schranke, nochmal den Stempel zeigen und dann trauen wir uns die nächsten paar Kilometer nicht mehr anzuhalten. Ich fahre erstmal ohne Handschuhe, die ich in der Aufregung im Kofferraum vergessen habe.

Wir fahren nach Kaliningrad, einem Moloch, zumindest in der Ecke, die wir gesehen haben. Es wird wie wild gebaut und wir landen nach abenteuerlichem Tanken mitten in der Baustelle eines Autobahnkreuzes. Unfassbar! Zum einen, weil vor uns direkt ein Müllwagen hergondelt, der uns im Stau durch den Gestank regelrecht betäubt, zum anderen weil die Strecke so abenteuerlich von einem Damm runter führt und hinten wieder hoch, dass man denkt, es wäre Paris –Dakar. Zusätzlich dann noch der kaputte LKW, der sämtlichen Diesel aus dem Motorraum kochend herausschleudert und die Straße leicht rutschig macht. Aber auch er hat irgendwann ein Einsehen, dass er anhalten muss. Oder der Diesel ist alle, keine Ahnung.

Wir fahren in Richtung kurische Nehrung, einer Art Damm in der Ostsee, der eine Bucht vom Meer zum Land hin abtrennt. Nachdem wir Eintritt bezahlt haben, beginnt eine unglaubliche Höllenfahrt durch Mückenschwärme, die man sich nicht vorstellen kann. Stehendes Brachgewässer zur Rechten, lecker warmes Wetter, man hätte es sich denken können. Scheinbar sind wir pünktlich zur Mückenausflugszeit kurz vor 17.00 Uhr am falschen Ort. Ich habe mit geschlossenem Helm hier noch einen riesigen Vorteil, Roland sehe ich schon vor meinem geistigen Auge von Mücken aufgefressen vom Moped fallen.

Wir halten erstmal nicht an, da man recht weit durch die Kiefernwälder laufen muss, um etwa sehen zu können. Als das Navi die schmalste Stelle des Dammes anzeigt, fahren wir auf einen Parkplatz. Ich überlasse Roland dort den Mücken und laufe los, mit geschlossenem Visier die Düne rauf zur Ostsee. Wunderschöne Küstenlandschaft mit einem breiten Sandstrand erwartet mich und die Mücken sind verschwunden.

Keine Zeit zu verlieren! Roland sitzt von Viechern aller Art umschwärmt regungslos auf dem Motorrad und das Auto daneben sieht aus, als wäre es rein organischen Ursprungs. Das muss dann auch der junge Russe alleine aus dem Gefahrenbereich holen, seine Freundin mag nach dem Sonnenbaden nicht gleich von brauner in rote, stichige Hautfarbe wechseln. Sie wartet wild wedelnd auf der Straße.

Weiter geht´s, Mücken sammeln. Nach etlichen Kilometern durch Flora und vor allem Fauna, kommen wir an den ersten russischen Vorposten auf der Mitte der Nehrung. Der junge Soldat macht einen sehr netten Eindruck, sein Schäferhund an der Kette nicht ganz so. Ich danke der Planwirtschaft, dass es in diesem Jahr nicht nur Uhrenketten gab und wir können unangekaut weiter fahren.

Am Hauptposten gibt es ein wenig Verwirrung, wo wir nun unsere Kräder abstellen dürfen und ein niedlicher Cockerspaniel begrüßt uns schnüffelnd und schwanzwedelnd. Er stellt sich später als Drogenspürhund heraus, dürfte aber nach unserer langen Fahrt bei hohen Temperaturen zeitlebens seinen Geruchssinn eingebüßt haben. Nach Abgabe unserer Zollpapiere für die Fahrzeuge und einem sehr netten ersten Beamten, folgt die Visa und Passkontrolle an der nächsten Kiste. Dieser Offizier ist auch ganz umgänglich und versichert mir, nach mehrmaliger Nachfrage, dass nun alles erledigt ist. Also Klamotten wieder an, Helm auf, Handschuhe an und wieder stehen wir mit laufendem Motor vor der Schranke. Und? Sie geht natürlich nicht auf. Ein weiterer Offizier stürmt heraus und will das Gepäck kontrollieren.

Das könnte man vorher sagen – muss man aber nicht.

Als die Kontrolle zufriedenstellend erfolgt ist, fahren wir zur nächsten Schranke, zeigen nochmal, dass wir nun ausreisen und haben es geschafft. Fast! Wir sind im Niemandsland, der nächste Posten gehört zu Litauen. Nur per Kamera erfasst, öffnet die Schranke automatisch.

Der folgende Grenzposten ist etwas besser organisiert und nach Kofferkontrolle, Papiersichtung ist der Drops, Verzeihung, die Mücke gelutscht!

Ein Auto hinter uns hat eine ungefähr 2 cm dicke Mückenleichenschicht auf dem Nummernschild. Unfassbar schlaue Anti-Blitzer Taktik  ;-) Da wir zwar nun in Litauen, aber erst auf der Mitte des Dammes sind, geht das Mückentöten noch 30 km weiter.

Es ist spät, wir wissen nicht, ob die Fähren in Klaipeda noch fahren und im Hotel geht niemand ans Telefon. Also Gas! Schön auf die Straße konzentrieren, das ein oder andere 50er Schild übersehen und glücklicherweise die Schranke eines Kontrollpostens nicht als Souvenir mitgenommen, da sie offen steht. Die Hütte ist noch besetzt und Video wahrscheinlich das Highlight der abendlichen Nachrichten des örtlichen Fernsehens.

Wir erreichen die ersten Schilder die zu den Fähren weisen und 21.00 Uhr als letzte Abfahrt angeben. Zeitverschiebung, es ist 21.30 Uhr. Aber wir kommen gerade noch als letzte auf die Fähre. Die Uhr zeigt 21.45 und nach über 470 km stehen wir überglücklich und erleichtert auf dem Deck und ernten anerkennende Blicke ob der ganzen Fliegen die Mann und Maschine verzieren.

Die Überfahrt ist sogar kostenlos und keinesfalls die letzte des Tages, was wir auf Nachfrage erfahren. Nach einem weiteren kurzen Stück erreichen wir das Hotel und werden freundlich empfangen. Da auch hier keine Essenswünsche nach 18.00 Uhr mittels Restaurant gestillt werden, kümmert sich unsere Rezeptionistin rührend um die Bestellung von Pizza und das Bier kommt aus der hoteleigenen Minibar. Das wäre günstiger lässt Sie uns wissen.

Die beste Pizza, die ich seit langem gegessen habe! Soweit muss man dafür fahren! 

Wir schlafen wie die Steine und werden mit einem Super Frühstück inklusive Omlette belohnt.


5. Tag – 417 km

Heute geht es von Litauen nach Lettland. Es ist ganz schön frisch und wir fahren in Richtung Liepaja. Die Grenze haben wir schnell erreicht. Die hat zwar nur noch wenig Überreste der Grenzposten, dafür aber umso mehr Schlaglöcher zu bieten.

Die Arbeiter, die eigentlich Teer in die Löcher schütten sollen, machen mal wieder Pause und winken uns freundlich zu. So viele Motorradfahrer gibt es hier oben nicht, da winken viele Leute. Ein schönes Gefühl!

Die Strecke Richtung Liepaja lässt mich vor Begeisterung fast anhalten und ein Haus kaufen. Wunderschöne , alte Holzhäuser mit wunderbarer Patina und riesigen Fliederbüschen ringsum. Wiesen voller Leben, der Duft der Kiefernwälder und immer wieder Störche. Ein Bauer pflügt und mindestens 20 Störche stehen auf dem Acker und warten aufs Frühstück. 

Liepaja hat im Zentrum tolle alte Holzhäuser zu bieten, teils leicht verfallen, teils ganz gut erhalten. Eine wunderbare Markthalle aus der Jahrhundertwende bietet alles, was man braucht. Berge von Fleisch, Backwaren zu Friedenspreisen, Fisch und andere Leckereien. Auf dem Markt vor dem Gebäude noch eine schöne Bernsteinkette für meine Gattin ergattert, geht es wieder zurück auf die Straße.

Wir wollen an der Küste lang nach Ventspils, wo ich am Freitag die Fähre zurück nach Deutschland nehmen muss. Über wenig befahrene Landstraßen mit mehr oder weniger Schlaglöchern geht es teilweise durch Baustellen, die mit EU Fördergeldern eine wunderbare Straße entstehen lassen.

Eine Schotterstrecke als kürzeste Verbindung nach Ventspils nehmen wir gerne als Herausforderung an. 10 km der heftigsten Konzentration mit nicht mehr als 20 km/h ufern am Ende in die schlimmsten Bodenwellen seit Menschengedenken aus. Ich fahre ganz am Rand, gerate irgendwann mit dem Vorderrad in ein Sandloch, kann die Maschine jedoch noch mit einem Bein abfangen.  Dabei donnere ich mit der Wade vor den Alukoffer, verdrehe mir die Haxe und sehe erstmal Sternchen. Aber Glück gehabt, nicht weiter schlimm….

Der bald folgende Asphalt ist ein Erholung und Ventspils eine Mischung aus  Hafen mit riesigen Kränen und Förderbändern zur Kohleverladung und einer schönen Altstadt. Schöne patinierte Holzhäuser und Kirchen prägen die Innenstadt und ich kläre das Einchecken auf der Fähre ab. Nun weiß ich, dass ich verdammt früh aufstehen muss.

Aber noch ist es nicht soweit! Wir beschließen den äußeren Zipfel von Litauen noch mitzunehmen und fahren auf unendlich weiten, einsamen Landstraßen durch Kiefernwälder bis nach Kolka. Die alten Gebäude der Radarstation zum Schutz der Bucht von Riga sind schon ziemlich zerfallen, aber immer noch wird mit neueren Geräten überwacht, wer so unterwegs ist. Der breite Sandstrand ist traumhaft aber es ist doch recht frisch. In den Dünen wurden  große Holzfässer aufgestellt, die man mieten kann. Sitzmöglichkeit und eine breite Liegefläche laden zum Übernachten ein. Mit verglaster Seite zum Meer hin lassen sich dort Liebesnächte vom Allerfeinsten verbringen. Meine romantischen Anflüge muss ich jedoch im Keim ersticken, da meine Frau leider nicht dabei ist.

Meine Begeisterung kennt keine Grenzen und ich würde sofort einen Sommerurlaub hier verbringen wollen. Dieser Strand, diese Ruhe….. diese Mücken…. Möööööp, vielleicht doch keine so gute Idee? Wen es wärmer wird, was dann?

Wir fahren weiter Richtung Kolka, einem winzigen Dörfchen eingebettet in Kiefern. Wir fahren allerdings gaaanz vorsichtig mit maximal 30 km/h, da gerade beim Start die Dorfsheriffs auf Streife vorbeikommen. Nicht, dass sie uns vor lauter Langeweile bei 32 km/h erwischen. Nachdem sie uns 3 mal auf ca. 1,2 km entgegen kommen, sind sie scheinbar dann doch überzeugt davon, dass wir zu den Guten gehören. Weiter geht es über die einsame Küstenstraße nach Jürmala. Wir sind schon ziemlich geschafft, also müssen wir die 120 km doch nochmal mit einem kurzen Päuschen gestalten. Wenn es immer nur geradeaus geht und die Abwechslungen dünn gesät sind, wäre manchmal der Tempomat mit Spurhalteassistent (und Stützrädern) eine tolle Option.

Hier sind die Dörfchen noch weit auseinander gezogen und die Jugend fährt viel Fahrrad. Die Jugendlichen sitzen sogar zusammen an der Bushaltestelle und reden miteinander. Szenen, die man daheim leider nicht mehr häufig sieht. Die Kids werden in Deutschland mit dem SUV überall hin gefahren, starren nur auf ihr Smartphone und sind komplett der Welt entrückt. Hier in Lettland scheint noch alles in Ordnung……

In Jürmala checken wir in einem netten, kleinen Hotel ein und machen uns auf den Weg um unser Defizit an Essen auszugleichen. Der home-made Burger, der serviert wird, ist so gut, dass ich das gleiche Gedeck nochmals bestelle. Die Anerkennung der Bedienung ist mir sicher. Ich bin scheinbar der Erste, der auch alles aufisst, was er sich bestellt. Nur das letzte Bier kann ich nicht mehr austrinken, sonst verteile ich mich mit lautem Knall in der Umgebung. Der Verdauungsspaziergang, aufgrund des neuen, ungewohnten Körpergewichtes anfangs etwas schwankend, muss erweitert werden, als ich mich am Hotel immer noch wie ein Luftballon fühle.

Die Uferstraße, die  nur noch von Dünen und Kiefern vom breiten Sandstrand abgetrennt liegt, ist gesäumt von wunderschönen Häusern. Teils alte, patinierte Holzhäuser in respektabler Größe werden durch neue, schon leicht dekadente, aber im Stil passende Villen ergänzt.

Hier haben viele gut betuchte Letten , die in Riga arbeiten eine passende Bleibe gefunden. Die Sicherheitsleute schauen teils etwas grimmig, da wir das Fotografieren zur Lomographie.

Der Strand ist wunderbar, die Abendsonne ein Traum, aber es ist schon recht frisch am Abend. So ist der Norden.

Ab ins Bettchen , Morgen geht’s nach Riga! 


1.       6.Tag – lächerliche 88 km

Es ist kalt – auch nach dem reichhaltigen und wunderbaren Frühstück steigt das Thermometer noch nicht wirklich auf mopedfreundliche Temperaturen. Die Sonne mag auch nicht rauskommen aber trotzdem machen wir uns auf den Weg in die Geburtsstadt Heinz Erhardts.

Als wir uns einen Parkplatz suchen, sehen wir, dass gerade eine AIDA angelegt hat und die Touristen in die Stadt ausgespuckt. Schon ganz schön viel, was da auf so einen Kahn passt.

Auch, wenn das Wetter eher an Herbst erinnert, hat Riga doch eine wunderschöne Altstadt.

Die Preise sind noch nicht so abgedreht wie in anderen Großstädten und so kann man sich dann auch mal einen Kaffee auf einem der zahlreichen Plätze schmecken lassen. Jeder Stuhl hält eine Decke bereit, also ist die Temperatur scheinbar doch üblich für Ende Mai.

Nach ausgiebiger Kochschürzen und Ansichtskarten- Shoppingtour geht es am frühen Nachmittag zurück ins Hotel nach Jürmala. Karten schreiben bei einer Gerstensaftkaltschale und herausblinzelnder Sonne lässt uns an die schöne erste Woche zurückdenken…

Nochmal die Straßen ums Hotel entlang, wunderbare Holzhäuser knipsen und ab zum Strand. An allen Zugängen stehen Toilettencontainer und der Strand ist sehr sauber. Hier könnte man sich durchaus den Sommerurlaub vorstellen.

Der Abend klingt aus bei einem leckeren Essen in der Kantina neben dem Hotel, in dem die Bedienung vom Frühstück immer noch arbeitet. In Deutschland hätte die Gewerkschaft schon längst den Schlüssel in der Tür umgedreht. Etwas wehmütig trinken wir das letzte gemeinsame Bierchen. Morgen werden wir uns trennen müssen. Mir ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken meinen Schwager alleine ins wilde Russland fahren zu lassen. Videos von diversen Dashcams im Internet zeigen immer wieder, dass das nicht das Land der defensiven Fahrer ist.


7. Tag - 176 km

Mein Handy weckt mich viel zu früh und ich sehe zu, dass ich meine letzten Siebensachen zusammenraffe. Nach einer kurzen Verabschiedung legt sich Roland wieder in die warme Kiste und ich stapfe nach draußen. Es ist kalt – bitterkalt. Genau gesagt ungefähr 3°C über Null.

Bei solchen Temperaturen bin ich höchstens mal 12 km zur Arbeit gefahren, als mein Auto kaputt war. Aber die Elefantentreffen im Winter habe ich mir bisher erspart. Ich fahre mit dicker Jacke, Winterhandschuhen und Griffheizung los und bin nach wenigen Minuten auf der einsamen und ruhigen Landstraße nach Ventspils unterwegs.

Ich bin schon nach kurzer Zeit steif gefroren, aber da ich wegen des kalten Fahrtwindes nicht noch schneller fahren kann, fallen Pausen sehr dürftig aus und versuche durchzuhalten.

Die Landschaft ist wunderschön und die einzigen Autos, die mich überholen, haben meist deutsche Nummernschilder und fahren scheinbar auch Richtung Fähre. Ich halte nochmal an, als ich ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft habe. Den Nierengurt außen um die Sweatjacke, die ich unter der Mopedjacke trage um es vielleicht etwas wärmer zu haben. Ein paar leckere lettische Kekse zum Frühstück mampfen und weiter geht es.

Ich komme nach über 2 Stunden im Hafen an und es stehen schon viele PKW und LKW an der Schranke um die Fähre zu nehmen. Die eigentliche Straße vor dem Check-in ist auch schon verstopft, ich entscheide mich aber doch dort wegzufahren und auf den Parkplatz umzuparken, was mir auch 2 Hannoveraner mit ihren Harleys gleich tun. Kurz darauf erscheint auch schon die Polizei und versucht die Straße wieder frei zu bekommen. Im Fährgebäude eine Wartenummer ziehen und versuchen wieder warm zu werden. Ich bin bis auf die Knochen durchgefroren und weiß nun endlich, wie sich ein Tiefkühlhähnchen fühlt.

Irgendwann kann ich einchecken. Diverse Zettel soll ich am Motorrad anbringen und dann geht es auch schon los. Ich fahre mit den Harleys vor bis zur Laderampe und nachdem noch ein paar Trailer mittels Rangierfahrzeug im inneren des Schiffsbauches verschwunden sind,  dürfen auch wir einfahren und gleich vorne am Rand unsere Kräder abstellen. Fix verzurrt von den Matrosen, können wir mit weiteren Massen von Menschen aufs Oberdeck zur Kabinenvergabe. Die grauhaarigen Jungs aus Hannover werden von einem Stewart begleitet. Was für ein Service! Aber irgendwie hilft mir niemand und ich muss allein den Weg zur Kabine finden.

Erste Erleichterung macht sich breit, als ich in die 4 Bett Kabine komme. Anstatt der befürchteten 3 russischen LKW Fahrer, die ewig nicht geduscht haben, teile ich mir vorerst nur mit einem Radfahrer aus Chemnitz die Unterkunft. Die Bilder aus dem Film „Das Boot“, werden vor meinem geistigen Auge unschärfer.

Nach einer kurzen Aufwärmphase im Bett gesellt sich noch ein junger Lette, der in Deutschland studiert zu uns und endgültig verschwindet meine Angst, noch unangenehme Bettnachbarn zu bekommen, komplett. Wir unterhalten uns lange über Lettland, die Leute und das Studieren in Deutschland. Ich erfahre welch negative Presse über Deutschland in Lettland verbreitet wird. Die Russen stecken dahinter…

Viele Letten glauben tatsächlich, dass überall ein Mob aus Flüchtlingen rumhängt und man an jeder Straßenecke Gefahr läuft abgestochen zu werden.  Hmmm, so ähnlich gefährlich stellen wir uns Russland vor ;-)

 Gegen 11 Uhr legt bei schönstem Sonnenschein die Fähre ab und ich schaue mir die riesigen Kräne und Förderbänder des Kohleumschlagplatzes an. Sobald wir aus dem Hafen sind wird es so windig und frisch, dass ich schnell ins Innere zurückgehe und zur Mittagszeit das erste Mahl aus meinem gebuchten Bonusabonnement einnehme. Soweit ganz genießbar, der Preis dank Vorabbuchung noch vertretbar. Natürlich ist es für alle auf dem Schiff das einzige Highlight und die Schlange wird immer länger. Mit meinen Stubenkameraden ist das Essen kurzweilig und ich erfahre, dass man in einer Woche 1500 km mit dem Fahrrad zurücklegen kann.

 Der Zeitvertreib an Bord lässt zu wünschen übrig und glücklicherweise funktioniert wenigstens das kostenfrei W-Lan. Nicht sonderlich schnell, aber immerhin. Die zahlreichen LKW Fahrer vertreiben sich die Zeit mit diversen alkoholischen Getränken, die vermutlich innerhalb von 4 Gläsern den ganzen Monatslohn die Kehle runterspülen. Ich setzte mich hin und fange bei einem sündhaft teuren Latte Macchiato an, diesen Bericht hier zu schreiben. Papier und Stift sind der beste Zeitvertreib die Erinnerungen noch frisch. Die Hannover Harleyfahrer prosten mir zu….

Nach einem Schläfchen in unserer Butze ist auch irgendwann Abendessenszeit. Die Brummijungs sind allesamt schon leicht erheitert und auch nicht mehr allzu leise unterwegs. Nach und nach steigern sie sich…..

Mit den Jungs von den Harleys zusammen, lasse ich mir das Essen schmecken um anschließend beim Bierchen zu plaudern.  Untermalt von volkstümlichen Gesängen arg angeschlagener Berufskraftfahrer vom anderen Ende des Decks. Ich werde kurz auf den Arm genommen, der KGB hätte ein Auge auf sie und deshalb wären sie in die Kabine begleitet worden. Im Nachhinein war es aber doch nur die, zugegebenermaßen etwas dreiste Buchung einer behindertengerechten Kabine, die ihnen diesen Service einbrachte.

Klaus ist genau auf meiner Wellenlänge und wir unterhalten uns bis tief in die Nacht, während wir beobachten, wie sich der erste stinkbesoffene LKW-Fahrer einnässt. Nach Wäschewechsel taucht er wieder auf, darf aber dann doch keinen Alkohol mehr bestellen. Richtig Ärger macht er nicht mehr, da er sich kaum noch auf den Beinen halten kann. Wir gehen irgendwann zu Bett und ich muss mich noch einige Zeit an des Vibrieren des Schiffsdiesels gewöhnen. 


      8. Tag - 476 km

Gut erholt geht es am nächsten Morgen zum Frühstück und ich bereite mich seelisch auf die Rückfahrt vor. Die LKW Fahrer stehen an der Reling und trinken noch ein letztes Bier….ohne Worte!

Bei Sonnenschein legen wir nach 24 Stunden auf dem Pott gegen 11 Uhr in Travemünde an und ich bin heilfroh, dass wir mit den Motorrädern als erste von Bord dürfen. Alle LKW dieser Ladung würde ich als Polizist sofort anhalten und die Fahrer zum Alkoholtest bitten.

Ich mache mich auf und muss leider sofort wieder bemerken, dass das ganze entspannte Fahren der letzten Tage in Deutschland nicht möglich ist. Sobald man hier auf der Autobahn ist, beginnt dieses drängeln, die mittlere Spur blockieren oder einfach nur dämlich mit dem Handy spielen.

Es ist ein Graus!

Ich fahre bis Hamburg und lege ein kurze Pause ein. Die Landungsbrücken liegen wunderbar im Sonnenschein, es ist brechend voll, überall Touristen.

Kurz hinter der Davidswache geparkt, gewundert über die großen Gruppen von Obdachlosen und die Reeperbahn wieder mal als gar nicht so romantisch erlebt, wie im Fernsehen immer dargestellt. Hamburg in  kürzester Zeit abgehakt, es ist ja noch ein ganz schönes Stück nach Hause.

Von der Fahrt auf deutschen Autobahnen kann man im Nachhinein immer nur abraten.

Kaum wieder auf der Autobahn stehe ich in einer Vollsperrung, nachdem irgendwelche Künstler wieder meinen, ihre viel zu großen Autos in einer engen Baustelle kaltverformen zu müssen.

Ich mache noch ein paar Pausen um dann glücklich am späten Samstagnachmittag bei meinen Mädels zu landen.

Über 2800 km haben meine treue Africa Twin und ich durchgehalten.

Eine wunderbare Tour, die ich meinem Schwager zu verdanken habe.

Zumindest im ersten Drittel durfte ich sie miterleben und habe anschließend täglich mitgefiebert und ihn zutiefst beneidet, noch mehr wunderbare Dinge zu sehen.

 

In dieser Woche habe ich so viele neue Eindrücke gewonnen, neue Länder und nette Menschen kennengelernt.

 

Wie war noch der Spruch?

Hast Du Dir im Leben viele Dinge gekauft, hast Du am Ende nur eine Liste.

Hast Du viele Dinge erlebt, dann hast Du eine Geschichte!

 

 

Genauso ist es. Lasst die neueste Playstation oder das neue Apple Dingsbums 3.0 im Geschäft und zieht los in die Welt! Das Erlebte kann Euch keiner mehr nehmen!!!!!