Inklusive zum zweiten Mal Russland!

Alleine ist, wenn man trotzdem fährt ..........


7. Tag:

Jetzt ist es also passiert: ich bin allein! Arne ist früh am Morgen raus aus den Federn, hat seine Sachen gepackt und ab zur Fähre nach Ventpils gefahren. Also, mein erstes Frühstück alleine. 
Die Strecke führt heute durch Riga nach Saulkrasti. Die E67 die Küste lang, raus aus Lettland und rein nach Estland. Erster Halt: Pärnu in Estland, exklusiver Badeort der Esten. 
War die Hauptstraße nach Pärnu noch einigermaßen befahren, habe ich auf den Nebenstrecken nach Virtsu den Eindruck, ich bin alleine in diesem Land. Kilometerlanges surfen und kein Fahrzeug weit und breit. Aber eine wunderschöne Holzkirche im Niemandsland. Und ein prima Storchenfoto gibt es auch; der Knabe (oder die Frau) war ziemlich entspannt, direkt neben der Straße (aber da fährt ja auch außer mir keiner).
Die Straßen sind meist ganz gut, aber zwischendurch lande ich wieder auf Schotterstraßen. Was mein armer Ölfilter wieder alles aushalten muss. 

In Virtsu geht es auf die Fähre nach Saaremaa. Beim Warten auf die Fähre habe ich mich mit nett mit einem älteren Herrn aus Freiburg unterhalten, der mit seiner Ehefrau und dem Wohnmobil auf einer Reise durch die baltischen Staaten ist. Er ist komplett begeistert. Ich kann seine Begeisterung für diese tollen Länder nur teilen. 
Die Überfahrt nach Saaremaa ist kurz, die Strecke auf der Insel nach Kuressarre eintönig. Quasi im Konvoi fahren wir eine Landstraße ohne nennenswerte Kurven bis zur größten Stadt auf der Insel. Mein Hotel dort ist seit Ostblockzeiten wohl noch nicht so richtig renoviert worden. Es punktet nicht wirklich mit dem Charme der 80-ziger Jahre und es stinkt erbärmlich.
Also, schnell raus und zum Abendessen in die "City". Ist alles ziemlich überschaubar hier. Und natürlich voll auf Tourismus ausgelegt.
Insidertipp:  A. Le Coq kann man prima trinken.


8. Tag:

Das war ja klar, kaum bin ich alleine, schon verpenne ich. Ein kleines Problem mit der Programmierung des Weckers. Ich schaffe es gerade noch so innerhalb der Frühstückszeit. Die Besichtigung der Arensburg fällt daher aus; nur schnell hinfahren und ein Foto machen. Dann geht es wieder über die kurvenlose Landstraße zur Fähre.
Auf dem Festland angekommen, geht es nach Haapsalu zur dortigen Burg Hapsal. Die Landschaft in Estland ist ein Traum. Die Straßen sind zwar nicht so besonders kurvig, aber das Feeling überragend. Für solche Strecken wurden Chopper gebaut!


Von Haapsalu aus geht es weiter nach Tallinn. Und zwar in die Neustadt. Übernachtung im Hotel Ülemiste, die beste Unterkunft auf der ganzen Tour. Direkt nebenan: ein Einkaufszentrum. Vergleichbar vielleicht mit dem Centro in Oberhausen; einfach riesig das Teil. Es ist Samstagabend, aber soviel ist in dem Zentrum nicht los. Das ist positiv, denn das heißt für mich: kein Stau im riesigen Selbstbedienungsrestaurant. Gefahren 256 km.


9. Tag:

Die Spannung steigt: heute steht wieder Russland auf dem Plan. Ziel der heutigen Etappe ist Sankt Petersburg. Aber vorher möchte ich noch ein bisschen Estland genießen. Als ich aus Tallinn raus bin, geht es nur noch auf kleinen Nebenstraßen weiter. Besucht wird der größte Wasserfall Estlands (was für ein Fake bei dem Rinnsal), die Stadt Narva-Jöesuu und noch ein paar andere Punkte. Motto: einfach mal anhalten. 

Dann geht´s los: der erste Grenzübertritt nach Russland war ja schon etwas holprig, das lässt sich aber locker toppen, wie ich leider feststellen musste.

 

Die Grenze Estland – Russland ist eine gut gesicherte Grenze mit Stahlgittertoren und Ampelanlage. Bin einfach mal vorgefahren. Ohne das sich das Tor geöffnet hat, wurde ich von einem Grenzer ran gewunken. Ob ich denn eine Reservierungsnummer hätte. Hatte ich natürlich nicht. Nur ohne Reservierungsnummer kein Grenzübertritt. Auf einer Karte zeigte er mir, wo man die Nummer bekommt: am anderen Ende der Stadt; die zum Glück nicht so groß ist. Zum Glück klappt das Navi in Estland noch. Also schnell dahin. Es war ein großer Parkplatz, auf dem schon einige Autos warteten. Also einfach hinten angestellt. Eine freundliche Russin, die erstaunlicher Weise gut englisch sprach, erklärte mir, das man im Häuschen 2 die Reservierungsnummern bekommt. Sie hatte vorher ihre Wartenummer für die Reservierungsnummer im Internet bestellt. Wo man die sonst her bekommt, wusste sie auch nicht. Ihr Tipp: mal im Häuschen 1 nachfragen (das ist natürlich am anderen Ende des Parkplatzes, der durchaus als riesig zu bezeichnen ist). Also rauf auf´s Moped und zum Häuschen 1 gefahren. Tatsächlich, man braucht für die Reservierungsnummer eine Wartenummer. 2,50 Euro gezahlt und die Wartenummer erhalten. Ich könne jetzt wieder zum Häuschen 2 (am anderen Ende). Gut, dass die Häuschen nicht nebeneinander sind; wäre ja sonst zu einfach. Also wieder nach Häuschen 2 gefahren. Als ich an der Reihe bin erklärt mir der Beamte, mit meiner Wartenummer wäre alles okay, ich könne mir meine Reservierungsnummer zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens abholen. Ich hab geglaubt, ich spinne. Mal nachgefragt, ob was zu machen ist. Er meinte nicht, sollte nochmal in Häuschen 1 nachfragen. Also wieder zum Häuschen 1. Der junge Mann im Häuschen 1 meinte, der Kollege hätte das falsch verstanden und griff zum Telefon. Kurzes Telefonat und wieder Freigabe für Häuschen 2. Also wieder ab dahin. Als ich an der Reihe bin, schaut der Beamte etwas stutzig und greift zum Telefon. Kurzes Telefonat und schon habe ich meine Reservierungsnummer für die Grenze. Nur 3 Autos vor mir (ist Sonntag), schon geht das Tor auf und ich bin im Grenzbereich.

Auf der Seite der Esten keine Besonderheiten. Alles wird gescannt, ein prüfender Blick und der Schlagbaum öffnet sich. Scheinbar bin ich schon ziemlich dehydriert, jedenfalls nehme ich eine falsche Strecke zum russischen Grenzbüro. Eine Grenzerin schickt mich zurück, den „offiziellen“ Weg zu nehmen. Dann geht es an die Formulare. Leider gibt es diesmal keine Vorlage, von der man abschreiben kann. Und die Zollerklärung bekomme ich komplett in russisch. Na gratuliere! Aber die freundliche Grenzerin, die mich eben noch Retour geschickt hat, hilft: sie besorgt die Papiere in englisch und hilft beim Ausfüllen. Leider kann sich nicht viel englisch, daher hat sie die Formulare in russisch und wir hangeln uns durch. Den Rest erledige ich direkt am Schalter. Dann noch einen Blick in meinen Koffer (kaum zu glauben, kaum ist mein Schwager mit den Alukoffern weg, muss ich den Koffer aufreißen) und schon ist auch diese Grenzkontrolle erledigt. Der vierte Schlagbaum stellt auch kein Problem dar und Russland öffnet sich für mich.


Motorradfahren in Russland ist keine Freude. Man ist sofort am unteren Ende der Nahrungskette angekommen. Die Schnellstraßen sind zweispurig mit einem breiten Rand an jeder Seite, der aber meist nicht asphaltiert ist (Schotterpiste). Am Anfang habe ich mich schön an die Geschwindigkeitsbeschränkungen gehalten mit dem Erfolg, dass die Russen an mir vorbei gezogen sind. Und schön nah; ich hätte locker die Außenspiegel verstellen können. Also Gas aufreizen, damit mit keiner der Typen mehr überholt. 

In Russland klappt mein Navi nicht, daher immer schön der Hauptstraße nach bis Sankt Petersburg. Das ist die einzige Stadt, die auf den Verkehrsschildern nicht in kurylischer Schrift aufgeführt wird. Zweimal kurz angehalten: beim ersten mal auf einem Parkplatz mit LKW-Rampe; siehe Bild. Problem: der Parkplatz ist nicht geteert. Das habe ich erst gesehen, als ich mit 80  kmh von der Hauptstraße runter bin. Beim zweiten mal habe ich in der Nähe einer Tankstelle angehalten. Mit


dem Erfolg, dass mich direkt zwei Typen solange belästigt haben, bis ich Ihnen ein paar Euros in die Hand gedrückt habe. Ich glaube, für die waren das die ersten Devisen. Mit Handynavigation ein bisschen hin und her gefahren, aber dann doch noch das Ziel erreicht. Wieder ein tolles Hotel (9.600 Rubel für zwei Übernachtungen) und das Moped schön in der Tiefgarage abgestellt. Gefahren: 396 km.

Ein Glück, morgen ist Ruhetag.


10. Tag:

Ein Glück, heute ist Ruhetag. Ich bin, ehrlich gesagt, auch ganz schön fertig. Die Tour hat schon ganz schön geschlaucht. Und die Fahrerei Gestern war ganz schön anstrengend; immer mit einem Auge im Rückspiegel. Daher beschließe ich, es heute wirklich ruhig angehen zu lassen. Die Innenstadt von Riga wird gestrichen; ich habe keine Lust, bei dem chaotischen Verkehr, dahin zu fahren. Also schaue ich mir in Ruhe den Peterhof an; ist ja auch direkt gegenüber vom Hotel. 

Allerdings beginnt der Tag mit einem riesen Fehler: ich schlage zeitgleich mit rund 50 Chinesen am Frühstücksbuffet auf. Chaos. Esskultur wird in China scheinbar nicht besonders hoch gehandelt. Der Frühstücksraum sieht danach aus, als wäre eine Horde Vandalen durchgerauscht. Viel Spaß an die Belegschaft beim Aufräumen.

Der Peterhof ist ein Traum. Wunderbar gestaltete Gartenanlage, Klasse Gebäude. Leider ist der Zutritt zu den Gebäuden nur für angemeldete Gruppen möglich und so spaziere ich nur außen rum. 

Nach dem Peterhof sehe ich mir eine nahe liegende Kirche an. Die orthodoxen Kirchen sind schon wahnsinnig ausgestattet. Hut ab, beeindruckend.

Peterhof und die Umgebung sind von den Russen Tip Top in Ordnung gehalten. Und auf dem Gelände laufen viele Ordner rum die dafür sorgen, dass dies auch so bleibt. Aber wehe, man geht mal abseits der normalen Pfade. Das mache ich natürlich. Und dann erlebt man schon einen ziemlichen Zeitsprung: sieht alles noch so aus wie in den 80er Jahren. Photos habe ich davon nicht gemacht; ich wurde eh schon ziemlich angegafft von den Einheimischen.

Zurück ins Hotel und den Rest des Tages aktive Erholung im Bettchen: Füße hoch und Kraft sammeln für die kommenden Aufgaben. Und Abends im Hotelrestaurant lecker den Tag ausklingen lassen (ohne störende Chinesen).

Ich fühl mich nicht wohl in dem Land, daher verlasse ich am Abend das Hotel nicht mehr und gehe früh zu Bett.
Gefahren: Nullkommanull; das Moped steht schön in der Hotelgarage.


11. Tag:

Heute bin ich cleverer beim Frühstück und vermeide den Ansturm der Chinesen. Aber einen kleinen Schock gibt es doch: bei der Einreise nach Russland habe ich die Einreisepapiere falsch ausgefüllt. Eigentlich wollte ich noch einmal in Russland übernachten, und zwar in Vyborg. Aber in den Papieren habe ich angegeben, dass ich heute das Land verlasse. Zum Glück noch gesehen, als ich meine Papiere wieder vom Hotelempfang abhole. Ist mir eigentlich auch ganz recht, ich fühle mich nicht wohl in dem Land und will nur noch raus. Also, Moped aus der Garage holen und ab auf die Straße. Handynavigation, nicht ganz problemlos. Alle Schilder in kyrillischen Buchstaben. Endlich ein Schild mit dem Hinweis auf Vyborg, so wie man das lesen kann. Die Straßen in dieser Richtung sind sehr gut ausgebaut. Es gibt aber auch viele Autobahnbaustellen, zum Glück nicht so extrem wie in Kaliningrad. An der Grenze ist der übliche Stau, verbunden mit der üblichen Wartezeit. Zeit, mit dem einen oder anderen Russen ein bisschen zu plaudern. Meine Papiere sind wohl doch nicht so besonders ausgefüllt, der Grenzer schüttelt nur den Kopf, als er meine Papiere sieht. Macht aber trotzdem den Stempel drauf. Die Koffer bleiben geschlossen, ich darf so ausreisen. Kurz hinter der Grenze anhalten und das Navi aufbauen. Wo soll ich jetzt hinfahren? Ich habe durch die "Flucht" aus Russland noch kein Quartier für heute Abend.


Okay, Entscheidung ist gefallen, ich fahr´ nach Kotka. Da wird es ja wohl ein paar Hotels geben. Aber zuerst muss ich die kleine Straße 3513 finden. Die führt über Virojoki ab ins Hinterland. Die Strecke entschädigt für einiges. Ein schön kurviger Verlauf und auch immer leicht hoch und runter. Fantastisch. Wer hier oben vorbei kommt, muss diese Straße unbedingt fahren. Und die Straße ist 35 Kilometer lang. Auch bei den Einheimischen beliebt: eine Zeit lang "verfolgt" mich ein einheimischer Supersportler. 


Das erste Hotel, das ich finde, ist das Sokos Hotel. Die haben genau noch ein Zimmer frei; passt doch. Ist zwar nur eine kleine Hütte, aber reicht. Zum Abend hin noch eine kleine Runde um den Block gemacht, dann reicht´s. Die Sauna ist im 8. Stock, aber nichts für mich heute.
Gefahren: 297 km


12. Tag:

Und was kommt jetzt? Gestern habe ich schon weite Teile des Tagespensums abgearbeitet. Also ein bisschen ab ins Hinterland, nach Lahti. Aber nicht wegen der Sprungschanzen, sondern wegen des Ace Corner Cafes. 
Im Navi eingegeben: kurvenreiche Strecke. Und das passiert auch. Wunderbare Straßen kreuz und quer, nie gerade, immer leicht auf und ab. Leider aber auch mal wieder als Schotterpiste. Dafür bin ich Orte angefahren, die sonst wohl kaum von Touristen angefahren werden. Schön ruhig, kaum Verkehr. Dann Helsinki erreicht, Hotel Cumulus. Gefahren: 259 km.



13. Tag: Helsinki

So, das Motorrad steht wieder schön in der Garage des Hotels. D.h. Helsinki will zu Fuß erobert werden. Auf dem Stadtplan sieht es auch so aus, als wäre die City gar nicht so weit weg. Dumm gelaufen, hätte vielleicht mal auf den Maßstab schauen sollen. Zu spät, ich bin schon unterwegs. Und brauche rund 1 Stunde, bis ich in der Innenstadt angekommen. Okay, ich bin auch nicht der Schnellste. Die erste Sehenswürdigkeit: die Kathedrale von Helsinki.

Dann geht es runter auf den Marktplatz und von dort zum Hafen. Vom Hafen aus geht es weiter zur Uspenski-Kathedrale, sie ist die größte westeuropäische orthodoxe Kirche. Und natürlich auch reichlich mit Touristen bevölkert, hauptsächlich aus Fernost. 
Nach der Kirchenbesichtigung treibt es mich wieder zum Hafen: Mittagspause. Ein leckeres Fischgericht an einer der Buden essen. Aber Achtung: das Essen innerhalb der Bude verzehren, d.h. hinter den aufgespannten Netzen. Draußen warten die Möwen. Ich glaube, Alfred Hitchcock hat hier die Vorlage für den Film "Die Vögel" gefunden; die Viecher reizen den Leuten das Essen aus der Hand.


Und dann mache ich mich auch schon wieder auf den Rückweg; ist ja zum Glück nicht so weit (stöhn). Noch kurz in einem botanischen Garten vorbei schauen und dann einen schnellen Schuh, damit ich vor dem Sommergewitter wieder im Hotel bin.
Die Sauna ist auf der gleichen Etage, aber trotzdem kann ich mich nicht dazu überwinden. 
Gefahren: Nullkommanull. Gelaufen: viel.